Europäische Flughafen- und Luftfahrtverbände schlagen Alarm: Die Einführung neuer elektronischer Grenzkontrollen für Reisende aus Nicht-EU-Staaten läuft aus Sicht der Branche bislang zu unzuverlässig – und könnte in der Sommer-Hochsaison zu erheblichen Staus an Flughäfen führen. Hintergrund ist das seit Herbst 2025 schrittweise eingesetzte digitale Einreise-/Ausreisesystem im Schengenraum (EES). Dieses System soll Ein- und Ausreisen automatisiert erfassen und dazu biometrische Merkmale nutzen, etwa Fingerabdrücke und Gesichtserkennung. In der Praxis zeigen sich jedoch nach Angaben aus der Branche wiederholt Engpässe: Technik, Abläufe und Personalplanung greifen nicht überall sauber ineinander.
Besonders deutlich wird das am Beispiel einzelner Standorte, an denen die Einführung zeitweise zurückgenommen oder pausiert wurde, weil sich die Warteschlangen massiv aufbauten. Auch von anderen großen Drehkreuzen ist die Rede, an denen Reisende in Stoßzeiten teils mehrere Stunden für die Grenzabfertigung einkalkulieren mussten. Genau diese Erfahrungen nähren die Sorge, dass sich die Lage im Sommer – bei deutlich höheren Passagierzahlen – spürbar zuspitzen kann. Branchenvertreter fordern deshalb mehr Flexibilität bei der Umsetzung: Staaten sollen das System bei Überlastung zeitweise teilweise oder vollständig aussetzen können, um Abläufe zu stabilisieren und den Reiseverkehr nicht zu blockieren.
Für Unternehmen ist das Thema mehr als eine Reisemeldung. Wenn Grenzprozesse an Flughäfen ins Stocken geraten, leidet die Taktung des gesamten Flugbetriebs: Anschlussflüge werden verpasst, Umläufe verschieben sich, Kapazitäten in Terminals werden gebunden. Dadurch steigen indirekte Kosten – etwa durch Umbuchungen, längere Standzeiten, zusätzliche Übernachtungen oder verspätete Ankunft bei Kunden und Partnern. Im Frachtbereich können Verzögerungen bei Passagierströmen ebenfalls Auswirkungen haben, wenn Abläufe am Flughafen insgesamt aus dem Gleichgewicht geraten. Gerade in Monaten mit hoher Auslastung wird aus einem operativen Störfaktor schnell ein wirtschaftlicher Kostenblock.
Auswirkung auf deutsche Unternehmen
Verzögerte Grenzabfertigung kann Geschäftsreisen, Projektstarts und Kundentermine spürbar verschieben. Zusätzlich drohen Mehrkosten durch Umbuchungen, längere Reisezeiten und sinkende Planbarkeit internationaler Abläufe.
Handlungsempfehlungen
Reise-Puffer standardisieren: Planen Sie bei internationalen Flügen in der Hochsaison grundsätzlich zusätzliche Zeit ein (Anreise, Check-in, Grenzkontrolle) und legen Sie interne Richtwerte fest.
Termine „dual“ absichern: Hinterlegen Sie für geschäftskritische Meetings immer eine sofort nutzbare digitale Alternative (fixer Video-Link, Dokumente, klare Rollen), damit Termine nicht ausfallen.
Kosten- und Entscheidungsregeln definieren: Legen Sie vorab fest, wann umgebucht wird, welche Mehrkosten freigegeben sind und wer entscheidet – so vermeiden Sie Hektik und Verzögerungsketten.
Bildquelle¹: © die Mitteilung / KI-Erstellung mit ChatGPT (OpenAI), 2026