Der Iran-Krieg macht sich inzwischen auf dem deutschen Gasmarkt bemerkbar. Nach einer aktuellen Auswertung des Finanzratgebers Finanztip sind günstige Gastarife für Neukunden seit Februar deutlich teurer geworden. Der durchschnittliche Preis stieg demnach von 9,4 Cent je Kilowattstunde im Februar auf 11,56 Cent im August – ein Plus von rund 23 Prozent. Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 15.000 Kilowattstunden entspricht das Mehrkosten von rund 300 Euro pro Jahr. Damit sind die Gaspreise in Deutschland innerhalb weniger Monate spürbar gestiegen.
Ein wichtiger Faktor für die Preisentwicklung ist die Lage an der Straße von Hormus. Die Meerenge zwischen Iran und Oman zählt zu den bedeutendsten Transportwegen für Öl und Flüssigerdgas weltweit. Rund ein Fünftel des global gehandelten Öls und etwa ein Fünftel des Flüssigerdgases werden über diese Route transportiert. Wegen der anhaltenden Sperrung der Straße von Hormus müssen vor allem asiatische Abnehmer verstärkt LNG aus anderen Förderregionen beziehen und konkurrieren dadurch stärker mit europäischen Käufern um Lieferungen unter anderem aus den USA, Kanada und Australien.
Deutlich zeigt sich die Entwicklung auch am europäischen Großhandelsmarkt. Zu Jahresbeginn kostete eine Megawattstunde Gas am Spotmarkt noch rund 30 Euro, Mitte August waren es mehr als 60 Euro. Gleichzeitig sind die deutschen Gasspeicher für die Jahreszeit vergleichsweise niedrig gefüllt. Die Bundesnetzagentur verfolgt deshalb neben den Gaspreisen in Deutschland auch die Entwicklung der Speicherstände aufmerksam.
Wie sich die Gaspreise in Deutschland in den kommenden Monaten entwickeln, lässt sich derzeit nicht verlässlich vorhersagen. Maßgeblich sind unter anderem der weitere Verlauf des Iran-Krieges, die Situation an der Straße von Hormus, das internationale LNG-Angebot sowie die Nachfrage in Europa und Asien. Die aktuellen Gaspreise liegen weiterhin deutlich unter den Extremwerten der Energiekrise 2022. Der jüngste Anstieg zeigt jedoch, dass die Veränderungen auf den internationalen Energiemärkten inzwischen auch bei deutschen Neukundentarifen angekommen sind.
Auswirkung auf deutsche Unternehmen
Steigende Gaspreise in Deutschland können Energiekosten und Einkaufspreise erhöhen. Besonders Betriebe mit hohem Gas- oder Wärmebedarf müssen mit einem stärkeren Kostendruck rechnen.
Handlungsempfehlungen
Prüfen Sie Ihre monatlichen Energiekosten: Vergleichen Sie die aktuellen Ausgaben mit den vergangenen sechs bis zwölf Monaten und kalkulieren Sie, welchen finanziellen Spielraum Sie bei weiteren Preissteigerungen haben.
Senken Sie vermeidbaren Energieverbrauch: Prüfen Sie Heizung, Beleuchtung, Geräte und Betriebszeiten auf konkrete Einsparmöglichkeiten und legen Sie Verantwortlichkeiten für deren Umsetzung fest.
Berücksichtigen Sie höhere Kosten in Ihrer Liquiditätsplanung: Planen Sie für die kommenden Monate einen zusätzlichen Energiepuffer ein, damit steigende Preise nicht kurzfristig andere betriebliche Ausgaben einschränken.
Bildquelle¹: © die Mitteilung / KI-Erstellung mit ChatGPT (OpenAI), 2026