Das Wachstum der Arbeitsproduktivität in Deutschland hat sich über Jahrzehnte deutlich abgeschwächt. Während die Produktivität in den 1980er- und 1990er-Jahren noch um rund zwei Prozent jährlich zunahm, lagen die Zuwächse seit der Jahrtausendwende deutlich niedriger. In den vergangenen sechs Jahren erreichte das Produktivitätswachstum Deutschland durchschnittlich lediglich 0,3 Prozent pro Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung von IW Consult im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen.
Angesichts der demografischen Entwicklung halten die Autoren dieses Niveau für nicht ausreichend. Nach ihren Berechnungen wäre künftig ein jährlicher Produktivitätszuwachs von mindestens 1,6 Prozent erforderlich, um den Wohlstand bei einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung zu sichern. Das notwendige Produktivitätswachstum Deutschland läge damit mehr als fünfmal so hoch wie der durchschnittliche Zuwachs der vergangenen sechs Jahre.
Die Untersuchung identifiziert fünf zentrale Bereiche, in denen Potenzial für eine höhere Produktivität gesehen wird: Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Innovation, Bürokratieabbau und Investitionen. Anhand internationaler Vergleichswerte berechnen die Autoren verschiedene Szenarien. Besonders kurzfristig könnte demnach eine umfassende Reduzierung bürokratischer Belastungen wirken. Auch der stärkere Einsatz künstlicher Intelligenz, Investitionen in Infrastruktur sowie zusätzliche Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten werden als mögliche Produktivitätshebel untersucht.
Bei einer längerfristigen Betrachtung weist die Studie vor allem Innovation und künstlicher Intelligenz große Potenziale zu. Voraussetzung wären unter anderem eine stärkere Verbreitung entsprechender Technologien und höhere Forschungs-, Entwicklungs- und Investitionsaktivitäten. Bei den berechneten Werten handelt es sich um Szenarien und nicht um Prognosen für tatsächlich eintretende Wachstumsraten. Die einzelnen Potenziale können zudem nicht einfach zusammengerechnet werden, weil sich verschiedene Maßnahmen überschneiden.
Auswirkung auf deutsche Unternehmen
Eine schwache Produktivitätsentwicklung gewinnt angesichts einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung für deutsche Unternehmen an Bedeutung. Digitalisierung, KI, Innovation und effizientere Prozesse zählen laut Studie zu den zentralen Ansatzpunkten.
Handlungsempfehlungen
Messen Sie Zeitverluste im Arbeitsalltag: Lassen Sie Ihre Mitarbeiter eine Woche lang festhalten, welche wiederkehrenden Aufgaben besonders viel Zeit beanspruchen. Wählen Sie anschließend die drei größten Zeitfresser aus und vereinfachen oder automatisieren Sie diese gezielt.
Starten Sie mit einer konkreten KI-Anwendung: Wählen Sie einen wiederkehrenden Prozess wie Protokolle, Recherche, Datenaufbereitung, Textentwürfe oder interne Dokumentation und testen Sie dort vier Wochen lang den gezielten Einsatz von KI. Vergleichen Sie anschließend den tatsächlichen Zeitaufwand mit dem bisherigen Prozess.
Setzen Sie ein messbares Produktivitätsziel: Definieren Sie für einen zentralen Geschäftsprozess ein konkretes Ziel, beispielsweise 20 Prozent weniger Bearbeitungszeit oder einen Arbeitsschritt weniger pro Auftrag. Überprüfen Sie nach drei Monaten, ob die Veränderung tatsächlich Zeit oder Kosten eingespart hat.
Bildquelle¹: © die Mitteilung / KI-Erstellung mit ChatGPT (OpenAI), 2026