Mindestlohnverstöße sollen Beschäftigte, Sozialversicherungen und den Staat nach einer neuen Berechnung des Deutschen Gewerkschaftsbundes zwischen 2015 und 2024 bis zu 64 Milliarden Euro gekostet haben. Der DGB stützt seine Berechnung auf Befragungsdaten und Angaben zu Arbeitszeiten und Verdiensten. Bei der genannten Summe handelt es sich um eine Hochrechnung und nicht um einen amtlich festgestellten Schaden.
Nach Angaben des DGB arbeiten derzeit rund sechs Millionen Menschen in Deutschland auf Mindestlohnniveau. Die Gewerkschaft geht davon aus, dass seit Einführung des gesetzlichen Mindestlohns durchschnittlich rund zwei Millionen Beschäftigte pro Jahr weniger erhalten haben könnten, als ihnen anhand ihrer tatsächlich geleisteten Arbeitszeit zugestanden hätte. Als mögliche Ursache für Mindestlohnverstöße nennt der DGB unter anderem nicht vollständig vergütete Arbeitszeiten.
Grundlage der Berechnung sind Daten des Sozio-oekonomischen Panels, für das jährlich rund 30.000 Menschen aus etwa 20.000 Haushalten befragt werden. Aus Angaben zu Arbeitszeit und Verdienst wurde errechnet, in welchem Umfang der jeweils geltende Mindestlohn unterschritten worden sein könnte. Nach der Berechnung fehlten betroffenen Arbeitnehmern durchschnittlich zwischen 1,70 Euro und 2,40 Euro je Arbeitsstunde. Von den errechneten 64 Milliarden Euro entfallen rund 35 Milliarden Euro auf nicht gezahlte Löhne, etwa 22 Milliarden Euro auf Sozialversicherungsbeiträge und rund sieben Milliarden Euro auf Einkommensteuer.
Auch amtliche Kontrollen erfassen Mindestlohnverstöße, liefern jedoch andere Kennzahlen als die Hochrechnung. Nach den zuletzt vorliegenden Angaben wurden 2024 knapp 6.200 Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Mindestlohngesetz eingeleitet. Rund 45 Prozent betrafen den Vorwurf, der Mindestlohn sei nicht oder nicht rechtzeitig gezahlt worden, etwa 50 Prozent Verstöße gegen Dokumentationspflichten. Insgesamt wurden im Jahr 2024 Bußgelder in Höhe von 25,4 Millionen Euro verhängt.
Auswirkung auf deutsche Unternehmen
Die aktuellen Zahlen rücken korrekte Vergütung und Arbeitszeitdokumentation stärker in den Fokus. Rechtssichere und nachvollziehbare Prozesse helfen Unternehmen, Verstöße und daraus entstehende Risiken zu vermeiden.
Handlungsempfehlungen
Führen Sie einen regelmäßigen Lohn- und Arbeitszeitcheck ein: Prüfen Sie beispielsweise quartalsweise stichprobenartig, ob erfasste Arbeitszeiten, Überstunden und ausgezahlte Vergütungen vollständig übereinstimmen und die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden.
Definieren Sie eindeutig, wie Arbeitszeiten behandelt werden: Legen Sie intern klare Regeln für Überstunden, Vor- und Nachbereitungszeiten, Reisezeiten, Schulungen und weitere arbeitsbezogene Zeiten fest und prüfen Sie deren Behandlung anhand der jeweils geltenden arbeits- und tarifvertraglichen Vorgaben.
Bestimmen Sie eine verantwortliche Person für die Kontrolle: Legen Sie fest, wer Änderungen beim Mindestlohn und bei arbeitszeitbezogenen Vorgaben verfolgt und Ihre internen Prozesse bei Bedarf rechtzeitig anpasst. Dokumentieren Sie diese regelmäßige Prüfung nachvollziehbar..
Bildquelle¹: © die Mitteilung / KI-Erstellung mit ChatGPT (OpenAI), 2026